Das war 2019

Es war ein spannendes erstes Jahr für alle Beteiligten des Vereins Speisen ohne Grenzen. Wir haben einen Rückblick gewagt, der auch einen kleinen Einblick in die bewegten vergangenen Monate gibt …

Am Anfang des Jahres konnten wir nicht ahnen, was wir alles 2019 erleben werden. Rückblickend freut es uns, dass wir so vielen Menschen die Möglichkeit geben konnten, Arbeit zu haben, Anerkennung zu bekommen, den Wortschatz zu erweitern, Wissen über Küchenbetriebe in Österreich zu erlangen, Wissen über traditionelle Speisen zu teilen, …

Wofür wir 2019 Geld gebraucht haben

In Zahlen ausgedrückt hatten wir Ausgaben von rund 180.000 Euro. Ein Großteil davon wurde an das Team ausbezahlt – im Zuge dessen wir unseren Mitarbeiter*innen, die bisher in Österreich meist keine Arbeit hatten, auch Dinge wie Stundenlisten oder Lohnnebenkosten erklärten. Weiterer wichtiger Teil unseres Tuns, nach den Menschen, sind die Zutaten – wir lernten bei unseren Einkaufstouren syrische, somalische, afghanische Geschäfte kennen sowie Gemüsehändler und Fleischhauer, um alle Ingredienzien auch parat zu haben, wenn sie gebraucht wurden. Aber auch der laufende Betrieb bedurfte einiger Ausgaben – ob Druckerpatronen, Geschirrtücher, Reinigungsmittel, Küchenbetriebskosten oder Servietten. Zu guter Letzt kommen die Investitionen – die wir durch zahlreiche Kooperationen, Sachspenden und unseren Ansatz, Ressourcen bestmöglich zu nutzen, verhältnismäßig gering halten konnten.

Ein großes Danke hier – und an unserer “wall of gratitude” – an alle, die uns beim Aufbau unseres Vereins unterstützt haben: ob bei der Grafik, den Fotos, den Geräten, unserer Gesundheit, … bis hin zu den helfenden Händen, die uns ehrenamtlich an manch stressigen und sonnigen Tagen unterstützt haben!

... in Euro

  • Personalkosten
  • Zutaten
  • Betriebsmittel
  • Investitionen

Wie wir uns finanziert haben

Der Ansatz des Vereins war von Beginn an, dass wir den Köch*innen eine Anstellung bieten wollen, wir ihre Arbeit für voll nehmen und sie auch dem hier gängigen Wertesystem entsprechend wertschätzen: mit einem Gehalt, der den Schritt aus der Sozialhilfe ermöglicht.

Da 2018 von der damaligen Regierung alle asylspezifischen Förderungen gestrichen wurden, rechneten wir auch nicht mit dem Erhalt von öffentlicher Unterstützung. Wir strebten an, unsere Ausgaben ausschließlich durch den Verkauf unserer Speisen zu decken – eine schwierige Aufgabe, angesichts dessen, dass wir Gastronomie ohne Getränke und mit nicht ausgebildeten Mitarbeiter*innen betreiben. Der Rückblick zeigt, dass wir unser Ziel nicht ganz erreicht haben. Ohne die Eingliederungsbeihilfen des AMS und einer ebenso einmaligen Förderung durch das Frauenministerium sowie einem erfolgreichen Crowdfunding für den Kauf eines eigenen Lastenrads wäre es uns nicht gelungen, mit einem knappen Plus ins neue Jahr zu starten.

Da es sich um einmalige Förderungen handelte, hoffen wir, unser Ziel 2020 mit der Unterstützung unserer Kund*innen zu erreichen – ganz gleich ob durch ins Büro gelieferte Mittagessen, einem Besuch in kleiner Runde am Badeschiff, einem kulinarischem Geburtstags-Catering oder durch eine Firmenfeier. Wir freuen uns, auch 2020 wieder für sie alle kochen zu dürfen!

... in Euro

  • Speisen und Getränke
  • AMS Eingliederungsbeihilfe
  • Frauenministerium
  • Crowdfunding
  • Mitgliedsbeiträge
  • Spenden

Wo wir gekocht haben

Begonnen hat alles im Jetzt. Wir durften dort seit November des Vorjahres die Küche untertags benutzen, denn das sehr gemütliche Lokal öffnet immer erst am Abend. Dort machten wir unsere ersten kulinarischen Schritte in einer sehr heimeligen und auch geschützten Umgebung.

Im Frühling erreichte uns dann die Einladung, an der Adria Wien eine Sommer-Pop-Up-Küche zu betreiben. So wechselten wir mit Anfang Mai an den Donaukanal, wo wir nunmehr – vorausgesetzt das Wetter spielte mit – in aller Öffentlichkeit und jeden Abend kochen durften. Wir genossen den Sommer in der Freiluft-Küche sehr, die Köch*innen übten ihre wachsenden Deutschkenntnisse in Dialogen mit unseren Kund*innen, erhielten direkte Dankes- und Lobesworte, gewannen ein großes Stück an Erfahrung und Selbstvertrauen … und wir alle wurden manches Mal vorzeitig von kräftigen Sommerregen nach Hause geschickt!

Wie es scheint, haben wir in den Sommermonaten nicht nur die Gäste der Adria Wien von der Qualität unserer Speisen überzeugt. Auch das Badeschiff Wien war soweit überzeugt, dass wir erneut eine Einladung erhielten … und so durften wir ab Oktober die Kombüse des Badeschiffs übernehmen. Auch hier wurden wir herzlich empfangen und wir nutzten die kurze Zeit bis zu den zahlreichen Weihnachtsfeiern, um unser Team zu erweitern, die Küche umzubauen und unseren eigenen Restaurant-Betrieb auf die Beine zu stellen!

Wie viel wir in diesem Jahr gelernt hatten, wurde in den Tagen vor Weihnachten sichtbar: So haben wir am turbulentesten Tag unseres Jahres über 300 Menschen verköstigt … an fünf verschiedenen Standorten!

... in Monaten je Standort

  • Jetzt
  • Adria
  • Badeschiff

Wer bei uns gekocht hat

Es war ein turbulentes Jahr, in dem unser Team gewachsen ist … und in dem uns aber auch die eine oder der andere wieder verlassen hat.

Als Gründungsmitglied und Obmann des Vereins war Gabriel ebenso das ganze Jahr an Bord, wie auch die beiden Köchinnen Fatima aus Afghanistan und Halima aus Somalia. Aus persönlichen Gründen verließen uns im Frühjahr Christian – ebenfalls Gründungsmitglied – und Heba aus Syrien, unsere Köchin der ersten Stunde. Mit diesen beiden hat der Verein das Laufen gelernt: So testeten sie unter anderem die ersten Rezepte und fanden die besten Lieferanten für Granatäpfel, Gewürze und Ghee!

Während Shireen die syrische Küche weiterführte – nicht nahtlos, sondern mit ihren eigenen Rezepten – ergänzte die erfahrene Gastronomin Nare unser Team und übernahm die Agenden von Christian. Auch Nares Mutter Gulia gesellte sich in den Sommermonaten ehrenamtlich an der Adria zu uns und verwöhnte die Gäste mit georgischen Köstlichkeiten.

Mit Ende des Sommers widmete sich Nare wieder ganz ihrem eigenen Lokal, dem Katscheli. Dafür wagte Rheta den Schritt mit uns aufs Badeschiff. Rheta brachte sein Wissen um den Betrieb eines Restaurants und den dafür notwendigen Prozessen und Küchengeräten mit. Mit Nesa aus dem Kosovo und Florence aus Uganda wuchs unser Team so weit, dass wir nicht nur die Berge an Geschirr bewältigten konnten, Florence erweitert nunmehr unsere Speisekarte auch um ugandische Köstlichkeiten.

Aber auch das neue Jahr beginnt spannend!

Soviel sei schon verraten: Gleich zwei Mitglieder unseres Teams verlassen uns gerade … um ihre eigenen Lokale zu eröffnen. Dazu aber dann mehr, wenn es soweit ist. Wir berichten davon im Newsletter, auf Facebook und Instagram!

Und so klang das Jahr in den Worten der Journalist*innen …

  • Speisen ohne Grenzen
    Ein Programm das Flüchtlingen ermöglicht, ihre individuelle Note in die Arbeit mit einzubringen. Durch ihre traditionell gekochten Speisen erfreuen sie damit die Gaumen der Wiener und Wienerinnen.
    Das Biber, 25. März 2019
  • Wo der Donaukanal duftet
    Viel Koriander, viel Safran, viel Zimt: An der Adria Wien kochen diesen Sommer vier Frauen aus Somalia, Afghanistan, Syrien und Georgien.
    Die Presse Print-Ausgabe, 15. Juni 2019
  • Flüchtlinge kochen: Wo man bei Fattoush ins Gespräch kommt
    Vielfalt auf dem Teller: Geflüchtete Frauen laden am Wiener Donaukanal zur Geschmacksreise.
    Kurier, 15. Juli 2019
  • Der Donaukanal mausert sich zur Genussmeile
    Kulinarisch verwöhnt in dieser Saison der Verein »Speisen ohne Grenzen«, bei dem vier Frauen, die in den letzten Jahren aus ihrer Heimat flüchten mussten, hinter dem Herd stehen.
    Falstaff, 9. August 2019
  • “Speisen ohne Grenzen”: Pop-up-Lokal in Wien
    Authentisch und köstlich: Im Pop-up-Lokal “Speisen ohne Grenzen” am Wiener Donaukanal kochen Geflüchtete Gerichte aus ihren Heimatländern – für unsere Autorin eine echte Empfehlung.
    Süddeutsche Zeitung, 16. August 2019
  • Testessen bei Speisen ohne Grenzen
    Das Badeschiff wird nun von Frauen aus Afghanistan, Somalia und Syrien bekocht. Sehr bunt und aromatisch.
    Die Presse-Schaufenster, 25.10.2019

... in Monaten

  • Fatima
  • Gabriel
  • Halima
  • Shireen
  • Christian
  • Naré
  • Gulia
  • Nesa
  • Rheta
  • Florence
  • Heba